Trekking Ausrüstung für Anfänger: Packliste, Tipps & Budget-Guide

Trekking Ausrüstung Anfänger: Die Packliste, die wirklich funktioniert
Oktober 8, 2025
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Welche Trekking-Ausrüstung brauchst du für deine erste Mehrtageswanderung? Dieser Ratgeber zeigt dir die wichtigsten Investitionen, realistische Budgets zwischen 300 und 1000 Euro und typische Anfängerfehler. Praxisnah, transparent und ohne unnötige Produktempfehlungen. Damit du entspannt starten kannst.

60 oder 80 Liter Rucksack?

Schlafsack für minus 5 oder minus 15 Grad?

Tunnelzelt oder Kuppelzelt?

Wenn du vor deiner ersten Trekkingtour stehst, kann die Ausrüstungswahl überwältigend sein.

Für Einsteiger fehlt oft die ehrliche Antwort auf die wichtigste Frage:

Was brauche ich wirklich?

Dieser Guide zeigt dir:

  • Die Big 3 (Rucksack, Schlafsystem, Zelt) – wo 70 Prozent deines Budgets hinfließen und warum
  • Realistische Budgets: Was 300, 500 oder 1000 Euro dir ermöglichen
  • Komplette Einsteiger-Packliste
  • Sieben typische Anfängerfehler, die dich Zeit und Geld kosten

Ein wichtiger Hinweis:

Deine ersten Touren sind Lerntouren. Deine Ausrüstung passt sich deiner Erfahrung an. Das perfekte Setup kommt mit der Zeit – nicht vor der ersten Wanderung.

Du kannst es kaum erwarten und möchtest direkt wissen, welches Equipment mit auf deine erste Tour kommen soll? Kein Problem > hier geht es direkt zur Packliste!

Diese 3 Grundfragen klären 80 Prozent deiner Ausrüstungswahl

Die verlockendste Falle beim Ausrüstungskauf:

Direkt in den Produktkatalog einzusteigen und Modelle zu vergleichen.

Der eine Schlafsack hat einen R-Wert von 3,5, der andere von 4,2 – aber was bedeutet das für deine Tour?

Das Zelt wiegt 1,8 Kilogramm und kostet 350 Euro, das andere 2,4 Kilogramm für 180 Euro – welches ist das richtige?

Diese Detail-Fragen kannst du erst sinnvoll beantworten, wenn du drei grundlegende Dinge geklärt hast.

Die gute Nachricht:

Diese drei Grundfragen bestimmen etwa 80 Prozent deiner späteren Ausrüstungsentscheidungen.

Wenn du sie ehrlich beantwortest, sparst du dir Fehlkäufe und konzentrierst dein Budget auf das, was du tatsächlich brauchst.

Frage 1: Welches Szenario planst du – Zelten, Hütten oder beides?

Dein Tour-Szenario ist der wichtigste Faktor für deine Ausrüstungswahl.

Ein Zelt für 400 Euro macht bei reinen Hüttentouren wenig Sinn.

Ein 80-Liter-Rucksack ist für Tagestouren mit Hüttenübernachtung überdimensioniert.

Drei typische Einstiegs-Szenarien:

Hüttenbasierte Mehrtageswanderungen (z.B. Alpenüberquerung):

  • Leichter Rucksack (40-50 Liter) reicht völlig aus
  • Kein Zelt, keine Kochausrüstung, kein schwerer Schlafsack nötig
  • Fokus liegt auf guten Wanderschuhen, Wechselkleidung, Regenschutz
  • Budget: 300 bis 500 Euro für soliden Start

Camping-Trekking mit Zelt (z.B. Skandinavien, deutsche Fernwanderwege):

  • Vollständige Camping-Ausrüstung nötig: Zelt, Schlafsack, Isomatte, Kocher
  • Größerer Rucksack (60-65 Liter) für mehrtägige Autonomie
  • Höheres Budget, aber mehr Unabhängigkeit
  • Budget: 700 bis 1000 Euro für komplette Grundausstattung

Mix aus Hütten und Camping (flexible Planung):

  • Kompromiss-Ausrüstung: Leichtes 2-Personen-Zelt, kompakter Schlafsack
  • Mittlerer Rucksack (50-60 Liter) für beide Szenarien
  • Am Anfang komplexer, aber langfristig flexibler
  • Budget: 500 bis 800 Euro

Szenario-Schnellcheck:

  • Nur Hütten: Rucksack 40-50L, keine Camping-Ausrüstung → 300-500€
  • Camping-Focus: Rucksack 60-65L, vollständige Ausrüstung → 700-1000€
  • Mix beider Welten: Rucksack 50-60L, leichte Camping-Basis → 500-800€
  • Tipp: Beginne mit einem Szenario. Erweiterungen kannst du später ergänzen.

Die meisten Einsteiger fahren mit einem klaren Fokus besser als mit "für alle Fälle"-Ausrüstung.

Du kannst später immer noch erweitern, wenn du merkst, dass du mehr Camping oder mehr Hütten bevorzugst.

Frage 2: Was kannst und willst du investieren?

Budget-Unsicherheit ist einer der häufigsten Gründe, warum Einsteiger den Kauf aufschieben.

Die Angst: "Wenn ich zu wenig ausgebe, kaufe ich doppelt. Wenn ich zu viel ausgebe, war es vielleicht unnötig."

Die Realität: Es gibt nicht das eine richtige Budget.

Du kannst mit 300 Euro starten und funktionsfähige Ausrüstung bekommen. Du kannst auch 1500 Euro ausgeben und top ausgestattet sein.

Beides ist legitim – solange es zu deiner Situation passt.

Drei realistische Budget-Varianten:

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Klarstellung: Die "Minimal-Start"-Variante ist kein Notbehelf. Mit 300 bis 400 Euro bekommst du funktionierende Ausrüstung für deine ersten Touren. Der Unterschied liegt in Komfort, Gewicht und Langlebigkeit – nicht in der grundsätzlichen Funktionsfähigkeit.

Budget-Strategie für Einsteiger:

  • Starte mit der Basis (300-500 Euro für erste 2-3 Touren)
  • Lerne, was dir wichtig ist (Gewicht? Komfort? Packmaß?)
  • Investiere gezielt nach (nur wo du Verbesserung spürst)

Viele erfahrene Wanderer empfehlen: Kaufe günstig, teste ausgiebig, upgrade gezielt.

Denn erst nach einigen Touren weißt du, ob dir ein 200 Gramm leichterer Schlafsack wirklich 150 Euro Aufpreis wert ist.

Gebrauchtkauf als smarte Strategie:

Gerade bei Zelten, Schlafsäcken und Rucksäcken ist der Gebrauchtmarkt Gold wert.

Du findest oft wenig genutzte Ausrüstung für 40 bis 60 Prozent des Neupreises.

Plattformen wie eBay Kleinanzeigen, Facebook-Gruppen für Outdoor-Ausrüstung oder spezialisierte Foren haben täglich neue Angebote.

Der Vorteil: Du kannst verschiedene Systeme testen, ohne dich finanziell festzulegen.

Nach zwei Touren merkst du vielleicht, dass Hütten doch besser zu dir passen – dann hast du nicht 400 Euro in ein Zelt investiert, das im Keller liegt.

Frage 3: Bist du bereit zu lernen und anzupassen?

Diese Frage klingt simpel, ist aber entscheidend für deine Kaufstrategie.

Denn die ehrliche Antwort lautet:

Niemand startet mit der perfekten Ausrüstung.

Die ersten zwei bis drei Touren sind Lerntouren.

Du wirst merken:

  • Dass dein Rucksack doch zu groß ist (und du ihn deshalb vollpackst)
  • Dass dir eine Sache fehlt, die du nicht bedacht hast
  • Dass manches Equipment überflüssig war
  • Dass deine persönlichen Prioritäten anders liegen als gedacht

Das sind keine Fehler, sondern der normale Lernprozess.

Am Anfang schwirrt dir wahrscheinlich der Kopf von Wassersäulen, R-Werten und Packmaßen.

Erst nach einigen Touren entwickelst du ein Gefühl dafür, was für dich wirklich wichtig ist und wo du investieren möchtest.

Checkliste: Bevor du kaufst

  • Szenario geklärt: Weiß ich, ob ich primär zelten oder auf Hütten übernachten will?
  • Budget definiert: Wie viel kann und will ich für die ersten Touren investieren?
  • Gebrauchtmarkt geprüft: Habe ich nach gebrauchter Ausrüstung gesucht?
  • Lernbereitschaft akzeptiert: Bin ich bereit, nach den ersten Touren anzupassen?
  • Prioritäten gesetzt: Konzentriere ich mich auf die wichtigsten 3 Teile (Big 3)?

Die drei wichtigsten Investitionen: Rucksack, Schlafsystem und Zelt

Wenn du dein Budget auf die verschiedenen Ausrüstungsteile verteilst, wirst du schnell feststellen:

Drei Komponenten machen etwa 60 bis 70 Prozent deiner Gesamtausgaben und deines Rucksackgewichts aus.

Rucksack, Schlafsystem (Schlafsack plus Isomatte) und Zelt – die sogenannten Big 3.

Diese drei Investitionen verdienen deine besondere Aufmerksamkeit.

Nicht weil du hier das Teuerste kaufen solltest, sondern weil falsche Entscheidungen hier die größten Auswirkungen haben:

Ein zu großer Rucksack verleitet zum Überladen, eine kalte Nacht ruiniert die gesamte Tour, ein undichtes Zelt macht aus Regen einen Albtraum.

Die gute Nachricht:

Wenn du bei diesen drei Teilen sorgfältig wählst, hast du bereits die Grundlage für erfolgreiche Touren gelegt.

Alles andere ist wichtig, aber weniger entscheidend.

Der Rucksack: Größe entscheidet über Gewicht

Die häufigste Frage beim Rucksackkauf:

Wie viel Liter brauche ich? Die überraschende Antwort:

Wahrscheinlich weniger, als du denkst.

Die Faustregel für Anfänger:

  • 40 bis 50 Liter: Hüttentouren mit minimaler Ausrüstung, Sommertouren ohne Zelt
  • 60 bis 65 Liter: Camping-Trekking mit Zelt und Kochausrüstung, Standard für Mehrtagestouren
  • 70 bis 80 Liter: Wintertouren, sehr lange Touren mit viel Verpflegung, Expeditionen

Die Versuchung ist groß, direkt zu 80 Litern zu greifen – für alle Fälle.

Das Problem: Ein großer Rucksack wird gefüllt. Psychologisch neigst du dazu, das verfügbare Volumen zu nutzen.

Das Ergebnis: 18 Kilogramm Gepäck statt 12 Kilogramm, obwohl die Hälfte davon "für den Fall dass"-Ausrüstung ist.

Wenn du primär Hüttentouren planst, reichen 40 bis 50 Liter völlig aus.

Du brauchst Wechselkleidung, Regenschutz, Hygieneartikel und eventuell einen leichten Schlafsack – aber kein Zelt, keine Kochausrüstung, kein komplettes Camping-Setup.

Für Camping-Trekking (Zelten, Kochen, autark unterwegs) sind 60 bis 65 Liter der Standardbereich.

Hier passt die komplette Ausrüstung hinein, ohne dass du Kompromisse bei der Sicherheit eingehen musst.

Gleichzeitig zwingt dich die Begrenzung zu bewusstem Packen.

Was einen guten Einstiegs-Rucksack ausmacht:

  • Verstellbares Tragesystem: Deine Rückenlänge (nicht Körpergröße!) bestimmt die Passform
  • Hüftgurt mit Polsterung: 70 bis 80 Prozent der Last liegen auf der Hüfte, nicht auf den Schultern
  • Unkomplizierter Zugriff: Top-Loader mit Bodenfach sind praktischer als reine Top-Öffnungen
  • Regenhülle integriert: Viele Modelle haben sie eingebaut, sonst für 15 bis 20 Euro nachrüsten

Was einen guten Einstiegs-Rucksack ausmacht:

  • 50 bis 80 Euro: Decathlon Forclaz, solide Einstiegsmodelle für erste Touren
  • 120 bis 180 Euro: Tatonka, Deuter, bewährte Marken mit gutem Tragekomfort
  • 200 bis 350 Euro: Osprey, Gregory, Premium-Modelle mit ausgezeichneten Tragesystemen

Die wichtigste Regel beim Rucksackkauf:

Anprobieren mit Gewicht.

Viele Outdoor-Händler haben Sandsäcke zum Testen.

Ein Rucksack, der leer bequem ist, kann mit 12 Kilogramm Last völlig anders sitzen.

Rucksack-Größenwahl nach Szenario

  • Hüttentour (1-3 Nächte): 40-50L ausreichend
  • Camping-Wochenende (2-3 Nächte): 50-60L empfohlen
  • Mehrtägiges Trekking mit Zelt (4-7 Nächte): 60-65L Standard
  • Lange Touren oder Winter (7+ Nächte): 70-80L nötig
  • Faustregel: Lieber eine Nummer kleiner und bewusst packen als zu groß und vollstopfen

Das Schlafsystem: Wo Komfort auf Gewicht trifft

Das Schlafsystem besteht aus zwei Komponenten, die gleichermaßen wichtig sind:

Schlafsack und Isomatte. Viele Einsteiger investieren 200 Euro in einen guten Schlafsack und sparen bei der Isomatte – und frieren trotzdem.

Denn Kälte kommt zu 70 Prozent von unten, nicht von oben.

Der Schlafsack: Temperaturangaben richtig verstehen

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Für Einsteiger gilt: Orientiere dich an der Komforttemperatur.

Ein Schlafsack mit Komfort -5 Grad Celsius ist für 3-Jahreszeiten-Trekking (Frühling bis Herbst) in Mitteleuropa eine solide Wahl.

Im Hochsommer schwitzt du vielleicht etwas, dafür bist du im Frühherbst noch warm genug.

Die unterschätzte Komponente: Die Isomatte

Der R-Wert (Resistance Value) gibt die Isolationskraft einer Isomatte an.

Je höher der Wert, desto besser die Isolation gegen Bodenkälte:

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Für Camping-Trekking in Mitteleuropa solltest du mindestens R 3,5 anpeilen. Das deckt die meisten Situationen ab, ohne dass du frierst.

Das Zelt: Solider Schutz ohne Premium-Preis

Beim Zelt scheiden sich die Geister.

Die einen schwören auf 600-Euro-Markenprodukte, die anderen campen seit Jahren mit 150-Euro-Decathlon-Zelten.

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen – und hängt stark von deinen Einsatzbedingungen ab.

Was ein Einsteiger-Zelt können muss:

  • Wasserdicht: Mindestens 3000 mm Wassersäule für Außenzelt, 5000+ mm für Boden
  • Steht stabil: Auch bei Wind und Regen keine Pudding-Konstruktion
  • Ausreichend Platz: Als Solo-Wanderer reicht ein 1-Personen-Zelt, zu zweit wird 2-Personen eng
  • Akzeptables Gewicht: Unter 2 Kilogramm für 1-Person, unter 2,5 Kilogramm für 2-Personen (aufgeteilt)

Für Einsteiger kommen hauptsächlich zwei Zelttypen infrage.

Beide haben spezifische Vor- und Nachteile:

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Für den Einstieg empfiehlt sich meist ein Kuppelzelt:

Einfacher Aufbau, mehr Fehlertoleranz beim Standort, stabiler bei unterschiedlichen Bedingungen.

Wenn du Gewicht sparen willst und weißt, dass du gute Zeltplätze findest, ist ein Tunnelzelt die bessere Wahl.

Hinweis: Neben Tunnel- und Kuppelzelten gibt es weitere Zeltarten wie Pyramidenzelte (mit Trekkingstock), Tarps oder Biwakzelte – diese sind jedoch für Einsteiger weniger relevant und eher für erfahrene Minimalisten oder spezielle Einsatzzwecke gedacht.

Die Gebrauchtkauf-Strategie bei Zelten:

Zelte sind die ideale Kategorie für Gebrauchtkäufe.

Viele Outdoor-Enthusiasten kaufen ein Zelt, nutzen es 3 bis 5 Mal und verkaufen es dann, weil sie auf Ultraleicht umsteigen oder ihre Präferenzen ändern.

Auf Plattformen wie eBay Kleinanzeigen, Facebook-Gruppen für Outdoor-Ausrüstung oder spezialisierten Foren findest du regelmäßig Angebote.

Ein 400-Euro-Markenzelt bekommst du oft für 200 bis 250 Euro in sehr gutem Zustand.

Worauf du beim Gebrauchtkauf achten solltest:

  • Nähte prüfen: Sind sie dicht oder lösen sie sich?
  • Beschichtung checken: Blättert die Innenbeschichtung ab? (Zeichen von Alterung)
  • Gestänge testen: Sind Segmente verbogen oder Gummizüge ausgeleiert?
  • Reißverschlüsse: Laufen sie sauber oder haken sie?
  • Geruch: Muffiger Geruch deutet auf Schimmel hin (schwer zu beseitigen)

Die ehrliche Einschätzung: Für deine ersten  Touren reicht ein günstiges Decathlon-Zelt völlig aus. Es ist ggf. etwas schwerer, aber funktional.

Wenn du nach diesen Touren weißt, dass Camping dein Ding ist, kannst du gezielt in ein leichteres Modell investieren.

Wenn nicht, hast du nur 150 Euro ausgegeben statt 500 Euro.

Big 3 Kaufentscheidung

  • Rucksack: Größe nach Szenario gewählt (nicht zu groß!), mit Gewicht anprobiert?
  • Schlafsack: Komforttemperatur -5°C für 3 Jahreszeiten, Kunstfaser oder Daune geklärt?
  • Isomatte: R-Wert mindestens 3,5, Komfort vs. Gewicht abgewogen?
  • Zelt: Wasser dicht (3000+ mm), Tunnelzelt vs. Kuppelzelt entschieden?
  • Budget: 300-900€ für Big 3 eingeplant, Gebrauchtmarkt geprüft?
  • Priorisierung: Bei knappem Budget Schlafsystem > Rucksack > Zelt?

Schuhe und Socken: Komfort über Kilometer entscheidet hier

Bei fast jeder Ausrüstungskategorie gibt es Budget-Alternativen, die für Einsteiger völlig ausreichend sind.

Bei Schuhen gilt das nicht. Hier ist die 200-Euro-Investition keine Luxus-Entscheidung, sondern Tourenrettung.

Der Grund ist simpel:

Blasen sind der häufigste Abbruchgrund bei Mehrtageswanderungen.

Nicht technisches Versagen, nicht schlechtes Wetter, nicht fehlende Ausrüstung – sondern kaputte Füße.

Studien zeigen, dass 20 bis 30 Prozent der Anfänger wegen Fußproblemen Touren vorzeitig beenden oder abbrechen.

Die Rechnung ist einfach:

Für 200 Euro bekommst du gute Wanderschuhe, die 800 bis 1200 Kilometer halten.

Das sind 15 bis 25 Cent pro Kilometer. Billigschuhe für 80 Euro halten vielleicht 300 Kilometer und verursachen dabei Blasen – du zahlst also mehr pro Kilometer und leidest dabei.

Die Trekking-Weisheit lautet:

Spare überall, aber nie an Schuhen und Schlafsystem.

Diese beiden Komponenten bestimmen, ob du deine Tour genießt oder durchhältst.

Die richtige Schuhwahl: Terrain bestimmt den Typ

Es gibt nicht den einen perfekten Wanderschuh.

Die richtige Wahl hängt stark von deinem geplanten Terrain ab.

Ein Trail-Runner für flache Waldwege ist in den Alpen fehl am Platz – und umgekehrt sind schwere Bergstiefel auf Flachland-Wanderwegen überdimensioniert.

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Für Einsteiger mit gemischten Plänen:

Ein Mid-Cut Wanderschuh ist der beste Kompromiss.

Er bietet ausreichend Knöchelstütze für Mittelgebirge und Alpentouren, ist aber nicht so schwer wie ein echter Bergstiefel.

Marken wie Meindl, Lowa oder Hanwag haben bewährte Modelle im Bereich 180 bis 220 Euro.

Warum Knöchelstütze wichtig ist:

Bei unebenem Terrain und schwerem Rucksack (10+ Kilogramm) stabilisiert ein höherer Schaft den Knöchel und reduziert das Verletzungsrisiko.

Low-Cut-Schuhe sind leichter und atmungsaktiver, bieten aber keine seitliche Stabilität – für Flachland perfekt, für Gebirge riskant.

Gore-Tex oder nicht?

Die ewige Frage bei Wanderschuhen: Wasserdichte Membran oder atmungsaktives Leder?

Die ehrliche Antwort: Beides hat Vor- und Nachteile.

  • Mit Membran (Gore-Tex): Füße bleiben bei Regen und nassen Wegen trocken, aber schwitzen bei Hitze mehr. Trocknet langsam, wenn Wasser doch eindringt.
  • Ohne Membran (Leder/Synthetik): Atmungsaktiver bei warmen Bedingungen, trocknet schneller. Füße werden bei Regen nass.

Faustregel: Für Mehrtagestouren in Mitteleuropa (oft wechselhaftes Wetter) ist eine Membran sinnvoll. Für sommerliche Touren in trockenen Regionen ist atmungsaktiv ohne Membran angenehmer.

Die Einlauf-Phase: Drei Testtouren vor dem Ernstfall

Der häufigste Anfängerfehler:

Neue Schuhe kaufen und eine Woche später die erste Mehrtageswanderung starten.

Das Ergebnis sind Blasen nach 10 Kilometern und Schmerzen für den Rest der Tour.

Die Einlauf-Regel lautet deshalb:

Drei Testtouren mit steigender Belastung.

Starte mit 8 bis 10 Kilometern auf befestigten Wegen ohne oder mit leichtem Rucksack, dann 12 bis 15 Kilometer auf gemischtem Terrain mit mittlerer Last (5-8 Kilogramm) und schließlich 15 bis 20 Kilometer auf unebenem Gelände mit voller Tour-Last (10-12 Kilogramm).

Nach diesen drei Touren weißt du, ob die Schuhe wirklich passen, sich das Material an deine Fußform angepasst hat und wo du präventiv mit Tape oder Blasenpflastern vorbeugen musst.

Wenn bereits während der Einlauf-Phase Druckstellen auftreten, liegt wahrscheinlich ein Passformproblem vor – gehe zurück zum Händler und probiere andere Modelle oder Größen.

Die meisten Outdoor-Geschäfte haben großzügige Rückgaberechte.

Lieber dreimal umtauschen als mit falschen Schuhen auf Tour gehen, denn deine Füße sind über mehrere Tage deine wichtigsten Werkzeuge.

Socken: Die unterschätzte Komponente gegen Blasen

Viele Einsteiger investieren 200 Euro in Schuhe und ziehen dann 3-Euro-Baumwollsocken an.

Das ist, als würdest du einen Sportwagen mit Billigreifen fahren.

Die Blasen-Formel: Feuchtigkeit + Reibung = Blasen

Baumwollsocken saugen Schweiß auf, bleiben feucht und erzeugen durch die nasse Reibung Blasen.

Funktionssocken aus Merino oder Synthetik transportieren Feuchtigkeit nach außen und halten deine Füße trocken.

Zwei Material-Optionen für Wandersocken:

Merinowolle:

  • Natürliche Geruchshemmung (auch nach mehreren Tagen noch tragbar)
  • Gute Temperaturregulation (kühl im Sommer, warm im Winter)
  • Weich und angenehm auf der Haut
  • Etwas teurer (15-25 Euro pro Paar)
  • Beispiele: Darn Tough, Smartwool, Falke TK2

Synthetik (Polyamid/Polyester-Mix):

  • Sehr robust und langlebig
  • Schnelltrocknend
  • Günstiger (10-18 Euro pro Paar)
  • Bildet schneller Geruch (tägliches Wechseln nötig)
  • Beispiele: Falke RU, Odlo, Decathlon Forclaz

Für Mehrtagestouren empfiehlt sich Merino:

Die Geruchshemmung erlaubt dir, zwei Paar Socken für 5 bis 7 Tage zu nutzen (ein Paar tragen, ein Paar trocknen/lüften).

Bei Synthetik brauchst du drei bis vier Paar für die gleiche Dauer.

Die richtige Passform:

Wandersocken sollten eng anliegen ohne einzuschnüren.

Zu lockere Socken bilden Falten, die zu Blasen führen. Zu enge Socken schnüren ab und verursachen Druckstellen.

Kaufe Socken immer zusammen mit den Schuhen und probiere beides gemeinsam an.

Die Dicke der Socken beeinflusst die benötigte Schuhgröße – was mit dünnen Laufsocken passt, kann mit dicken Wandersocken zu eng sein.

Schuh-Kaufcheckliste:

  • Anprobe-Timing: Nachmittags kaufen (Füße schwellen im Tagesverlauf an)
  • Socken mitbringen: Dicke Wandersocken wie auf Tour tragen
  • Zehenspiel-Test: 1cm Platz vor den Zehen beim Stehen (Füße rutschen bergab nach vorn)
  • Bergab-Test: Im Laden Rampe oder Treppe bergab gehen – Zehen dürfen nicht anstoßen
  • Ferse sitzt fest: Keine Bewegung der Ferse im Schuh (Reibung = Blasen)
  • Beide Füße testen: Oft ist ein Fuß größer – kaufe nach dem größeren Fuß
  • 30 Minuten Probezeit: Gehe mindestens 20-30 Minuten im Laden herum
  • Einlauf-Plan: Drei Testtouren vor der ersten Mehrtageswanderung einplanen

Bekleidung: Drei Schichten für jedes Wetter

Bei Outdoor-Bekleidung kannst du dich in unzähligen Produktkategorien verlieren:

Softshells, Fleecejacken, Midlayer, Baselayer, Hardshells, Primaloft, Polartec – die Liste scheint endlos.

Die gute Nachricht:

Du brauchst für den Anfang nur drei Schichten zu verstehen.

Das Zwiebelprinzip funktioniert seit Jahrzehnten und ist trotz aller Marketing-Innovation immer noch der sinnvollste Ansatz für wechselnde Outdoor-Bedingungen.

Drei Schichten mit klaren Aufgaben: Feuchtigkeit weg vom Körper, Wärme bei Bedarf, Schutz vor Wetter.

Der wichtigste Grundsatz:

Ziehe nur an, was du brauchst.

Viele Anfänger tragen alle drei Schichten gleichzeitig und schwitzen sich nass – um dann auszukühlen, sobald sie pausieren.

Intelligente Schichtung bedeutet:

Anziehen und Ausziehen je nach Aktivität und Temperatur.

Base-Layer: Feuchtigkeit vom Körper weg

Die unterste Schicht liegt direkt auf der Haut und hat eine einzige Aufgabe:

Schweiß von der Haut wegtransportieren.

Wenn Feuchtigkeit auf der Haut bleibt, kühlst du aus – auch im Sommer kann das bei Wind unangenehm werden.

Die Material-Grundregel: Alles außer Baumwolle.

Baumwolle saugt Feuchtigkeit auf und hält sie fest.

Das Ergebnis:

Ein nasses, schweres Shirt, das an der Haut klebt und dich auskühlt.

Im Outdoor-Jargon heißt es: "Cotton kills" – etwas dramatisch, aber der Punkt ist klar.

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Budget-Einstieg Base-Layer:

Du brauchst keine 80-Euro-Icebreaker-Shirts für deine ersten Touren. E

in 30-Euro-Merino-Shirt von Decathlon erfüllt den gleichen Zweck.

Der Unterschied liegt in Details wie Nahtverarbeitung, Passform und Langlebigkeit – aber nicht in der grundsätzlichen Funktion.

Für Mehrtagestouren reichen zwei Base-Layer-Shirts:

Eines tragen, eines trocknen oder lüften.

Bei Merino kannst du ein Shirt auch 3 bis 4 Tage tragen, ohne dass es unangenehm riecht.

Bei Synthetik brauchst du mehr Wechselwäsche oder akzeptierst den Geruch.

Lange oder kurze Ärmel?

Für 3-Jahreszeiten-Trekking (Frühling bis Herbst) sind lange Ärmel die bessere Wahl.

Du kannst sie hochkrempeln, wenn es warm ist, hast aber Sonnenschutz und Wärme-Reserve, wenn es kühler wird.

Kurze Ärmel funktionieren nur im Hochsommer oder in sehr warmen Regionen.

Mid-Layer: Isolation bei Bedarf

Die mittlere Schicht ist deine Wärme-Reserve.

Du ziehst sie an, wenn du pausierst, wenn die Temperatur sinkt oder wenn du abends im Lager sitzt.

Beim aktiven Wandern trägst du sie meist nicht – sonst schwitzt du.

Fleece vs. Daune – zwei unterschiedliche Philosophien:

Fleece-Jacken:

  • Robust und pflegeleicht (waschmaschinen-tauglich)
  • Isolieren auch feucht noch (Schweiß oder Regen)
  • Günstiger (40-80 Euro)
  • Schwerer und voluminöser als Daune
  • Ideal für: Anfänger, wechselhaftes Wetter, Budget-bewusste

Daunenjacken:

  • Sehr leicht und klein packbar (200-400 Gramm)
  • Beste Isolation bei trockenem Wetter
  • Teurer (100-250 Euro)
  • Verlieren Isolationskraft bei Nässe
  • Ideal für: Gewichtssparer, trockene Bedingungen, Erfahrene

Empfehlung für Einsteiger: Starte mit Fleece. Der Grund ist pragmatisch:

Fleece verzeiht Fehler.

Wenn du zu viel schwitzt und das Fleece feucht wird, isoliert es trotzdem noch.

Wenn deine Daunenjacke nass wird (Regen, Schweiß), bricht die Isolationswirkung zusammen.

Nach einigen Touren weißt du, ob du eher kalt- oder warmblütig unterwegs bist.

Wenn du merkst, dass du selten schwitzt und eine leichte Isolation bevorzugst, kannst du auf Daune upgraden.

Wenn du eher schwitzt oder bei wechselhaftem Wetter unterwegs bist, bleibst du bei Fleece.

Synthetische Isolation als Mittelweg:

Es gibt noch eine dritte Option:

Synthetisch isolierte Jacken (z.B. Primaloft).

Sie kombinieren Vorteile beider Welten – leichter als Fleece, robust bei Nässe wie Fleece, packbarer als Fleece, aber schwerer als Daune.

Für Einsteiger eine gute Kompromiss-Lösung, meist im Bereich 80 bis 120 Euro.

Hardshell: Wetterschutz ohne Wunder

Die äußere Schicht schützt vor Regen, Wind und Schnee.

Hier entstehen die meisten Missverständnisse und Enttäuschungen – besonders beim Thema Gore-Tex.

Die physikalische Wahrheit über Atmungsaktivität:

Kein Material ist zu 100 Prozent wasserdicht UND vollständig atmungsaktiv.

Das ist physikalisch unmöglich. Jede wasserdichte Membran ist ein Kompromiss:

Sie lässt Wasserdampf durch (Schweiß von innen), aber kein flüssiges Wasser (Regen von außen).

Das Problem: Wenn du aktiv wanderst, produzierst du mehr Schweiß, als die Membran nach außen transportieren kann.

Das Ergebnis:

Du schwitzt dich in deiner teuren Gore-Tex-Jacke nass – nicht weil die Jacke defekt ist, sondern weil die Physik Grenzen setzt.

Gore-Tex, Event, Sympatex – lohnt sich der Aufpreis?

Premium-Membranen wie Gore-Tex kosten oft 250 bis 400 Euro.

Budget-Regenjacken mit einfacher Beschichtung kosten 60 bis 100 Euro.

Der Unterschied liegt in der Atmungsaktivität und Langlebigkeit – aber für Gelegenheitsnutzer ist der Unterschied kleiner, als das Marketing verspricht.

Faustregel: Eine 80-Euro-Regenjacke von Decathlon mit 10.000 mm Wassersäule reicht für 90 Prozent der Anfänger-Touren.

Du wirst auch darin schwitzen, wenn du aktiv gehst – aber du hast 200 Euro gespart.

Wenn du später merkst, dass du oft bei Dauerregen wanderst und bessere Atmungsaktivität brauchst, kannst du auf eine Premium-Membran upgraden.

Aber für die ersten Touren:

Spare hier das Geld und investiere es lieber in bessere Schuhe oder Schlafsystem.

Regenhose: Die vergessene Komponente.

Viele Einsteiger kaufen eine Regenjacke, vergessen aber die Regenhose.

Bei mehrstündigem Regen reicht es nicht, nur den Oberkörper trocken zu halten – nasse Beine kühlen aus und machen die Tour unangenehm.

Eine einfache Überziehhose (nicht gefüttert) für 30 bis 50 Euro reicht völlig. Sie wird nur bei Regen über die normale Wanderhose gezogen und bei trockenem Wetter wieder verstaut.

Achte darauf, dass sie Seitenreißverschlüsse hat – sonst musst du die Schuhe ausziehen, um sie anzuziehen.

Zwiebelprinzip-Quick-Check nach Temperatur:

Hochsommer (20-30°C):

  • Base-Layer kurzärmlig + Sonnenschutz
  • Mid-Layer im Rucksack (für Abende/Pausen)
  • Hardshell im Rucksack (für Gewitter)

Frühling/Herbst (10-20°C):

  • Base-Layer langärmlig
  • Mid-Layer beim Wandern meist im Rucksack, bei Pausen angezogen
  • Hardshell griffbereit (wechselhaftes Wetter)

Spätherbst/Frühling (0-10°C):

  • Base-Layer langärmlig + eventuell zweite dünne Schicht
  • Mid-Layer öfter beim Wandern getragen
  • Hardshell häufiger im Einsatz

Winter (unter 0°C):

  • Mehrere Base-Layer oder dickeres Modell
  • Mid-Layer dauerhaft getragen
  • Hardshell plus zusätzliche Isolation nötig

Die Basis-Packliste: Nichts vergessen, nichts Unnötiges mitnehmen

Die Big 3 (Rucksack, Schlafsystem, Zelt) machen den Großteil deines Gewichts und Budgets aus – aber natürlich brauchst du noch mehr für eine Mehrtageswanderung.

Kocher und Topf für warme Mahlzeiten, Erste-Hilfe-Set für Notfälle, Hygieneartikel für mehrere Tage, Trinkflaschen für ausreichend Wasser und einige kleinere Ausrüstungsteile, die oft unterschätzt werden.

Die Herausforderung:

Die Balance zwischen "alles dabei haben" und "nicht zu viel schleppen" zu finden.

Viele Einsteiger packen nach dem Prinzip "für den Fall dass" und landen bei 18 Kilogramm Rucksackgewicht.

Andere vergessen essenzielle Kleinigkeiten wie Blasenpflaster oder Stirnlampe – und ärgern sich unterwegs.

Die folgende Packliste zeigt dir, was für eine 3- bis 5-tägige Camping-Trekkingtour (Frühling bis Herbst in Mitteleuropa) sinnvoll ist.

Sie ist nach Kategorien strukturiert und gibt dir Orientierung zu Gewicht und Priorität.

Nicht alles ist für jede Tour zwingend nötig – aber du siehst auf einen Blick, was du warum brauchst.

Hinweise zur Packliste:

  • Gewichtsangaben sind Durchschnittswerte für Standard-Ausrüstung (nicht Ultraleicht, nicht besonders schwer)
  • Priorität zeigt, was wirklich essentiell ist (hoch) vs. was nice-to-have ist (niedrig)
  • Anpassungen je nach Szenario: Hüttentouren brauchen kein Zelt/Kocher, Wintertouren mehr Isolation
  • Basisgewicht umfasst alles außer Verbrauchsgütern (Essen, Wasser, Brennstoff)

Rucksack und Tragsystem

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Schlafen

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Unterkunft

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Kochen & Essen

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Wasserversorgung

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Kleidung (am Körper)

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Kleidung (im Rucksack)

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Hygiene

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Erste-Hilfe / Apotheke

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Navigation und Elektronik

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Sonstiges

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Die 7 teuersten Anfängerfehler (und wie du sie vermeidest)

Manche Fehler beim Ausrüstungskauf lernst du nur durch eigene Erfahrung – und das ist auch gut so.

Andere Fehler sind so häufig und so teuer, dass es sich lohnt, vorher davon zu erfahren.

Die folgenden sieben Fehler tauchen in Outdoor-Foren, bei erfahrenen Wanderern und in Rückblicken von Einsteigern immer wieder auf.

Die gute Nachricht:

Alle diese Fehler sind vermeidbar.

Du musst sie nicht selbst machen, um daraus zu lernen.

Die Outdoor-Community hat sie für dich bereits gemacht und dokumentiert – du kannst direkt von dieser Erfahrung profitieren.

Fehler 1: Der zu große Rucksack (80 Liter statt 60 Liter)

Das Problem: Du denkst "lieber zu groß als zu klein" und kaufst einen 80-Liter-Rucksack für Wochenendtouren. Das klingt logisch, ist aber eine psychologische Falle.

Die Konsequenz: Ein großer Rucksack wird gefüllt.

Unbewusst packst du mehr ein, weil Platz da ist. Das Ergebnis: 18 Kilogramm Gepäck statt 12 Kilogramm, obwohl die Hälfte davon "für den Fall dass"-Ausrüstung ist. Dein Rücken merkt nach 5 Kilometern den Unterschied.

Die Lösung: Kaufe den Rucksack nach deinem tatsächlichen Szenario, nicht nach maximaler Kapazität.

Für Camping-Trekking reichen 60 bis 65 Liter völlig aus.

Wenn du merkst, dass es zu knapp wird, ist das oft ein Zeichen, dass du zu viel einpackst – nicht dass der Rucksack zu klein ist. Ein kleinerer Rucksack zwingt dich zu bewussten Entscheidungen.

Fehler 2: Das "Für den Fall dass"-Überladen

Das Problem: Du packst Equipment für Szenarien, die statistisch selten eintreten.

Ein zweites Paar Schuhe, falls die ersten nass werden. Drei Bücher, falls es langweilig wird. Vollständiges Werkzeug, falls etwas kaputt geht. Fünf Wechsel-Shirts, falls es dreckig wird.

Die Konsequenz: Dein Basisgewicht steigt von 12 auf 16 Kilogramm – nur durch Dinge, die du in 90 Prozent der Fälle nicht brauchst.

Die Tour wird anstrengender, weil du ständig unnötiges Gewicht schleppst. Und ironischerweise: Die meisten dieser "Notfall-Items" nutzt du nie.

Die Lösung: Packe nur, was du auf den letzten drei Touren tatsächlich gebraucht hast.

Alles andere bleibt zuhause. Wenn etwas wirklich fehlt, merkst du es auf Tour und packst es beim nächsten Mal ein. Dieser iterative Ansatz führt zu einer optimierten Packliste – basierend auf echter Erfahrung, nicht auf hypothetischen Szenarien.

Fehler 3: Neue Schuhe direkt auf Fernwanderung

Das Problem: Du kaufst eine Woche vor der ersten Mehrtageswanderung neue Wanderschuhe, probierst sie kurz im Laden an und gehst damit direkt auf Tour.

Die Schuhe fühlen sich im Laden bequem an – was kann schon schiefgehen?

Die Konsequenz: Blasen nach 10 Kilometern. Druckstellen an Stellen, die im Laden nicht auffielen. Schmerzen, die die gesamte Tour überschatten. Blasen sind der häufigste Abbruchgrund bei Anfängern – und in 80 Prozent der Fälle vermeidbar durch richtige Einlaufphase.

Die Lösung: Drei Testtouren mit steigender Belastung vor der ersten Mehrtageswanderung.

Erst 8 bis 10 Kilometer auf befestigten Wegen, dann 12 bis 15 Kilometer gemischtes Terrain, schließlich 15 bis 20 Kilometer mit voller Last. Wenn nach Tour 1 oder 2 Druckstellen auftreten, tauschst du die Schuhe um – besser im Laden als unterwegs mit kaputten Füßen.

Fehler 4: Die Gore-Tex-Enttäuschung

Das Problem: Du investierst 300 bis 400 Euro in eine Gore-Tex-Jacke, weil das Marketing verspricht: wasserdicht UND atmungsaktiv. Du erwartest, dass du darin bei Regen wanderst und trocken bleibst – von außen UND von innen.

Die Konsequenz: Bei aktivem Wandern schwitzt du in der Jacke.

Nicht weil Gore-Tex schlecht ist, sondern weil die Physik Grenzen setzt: Kein Material ist zu 100 Prozent wasserdicht UND vollständig atmungsaktiv bei hoher Belastung. Du produzierst beim Bergaufgehen mehr Schweiß, als die Membran abtransportieren kann.

Ergebnis: Von innen nass trotz teurer Jacke – und Enttäuschung über die Investition.

Die Lösung: Für Einsteiger reicht eine 80-Euro-Regenjacke mit 10.000 mm Wassersäule.

Du wirst auch darin schwitzen bei Anstrengung – aber du hast 220 Euro gespart. Wenn du nach 10 Touren merkst, dass du oft bei Dauerregen wanderst und bessere Atmungsaktivität brauchst, kannst du immer noch auf Gore-Tex upgraden.

Aber die meisten Gelegenheitswanderer brauchen es nicht.

Fehler 5: Der zu schwere Schlafsack (falscher Temperaturbereich)

Das Problem: Du kaufst aus Unsicherheit einen Schlafsack mit Komforttemperatur -15 Grad Celsius für Sommertouren in Deutschland.

Der Gedanke: Lieber zu warm als zu kalt. Oder umgekehrt: Du sparst Gewicht mit einem Sommerschlafsack und frierst im Herbst.

Die Konsequenz: Ein -15-Grad-Schlafsack wiegt oft 1,5 bis 2 Kilogramm – doppelt so viel wie ein -5-Grad-Schlafsack (800 bis 1000 Gramm).

Du schleppst 500 bis 1000 Gramm unnötiges Gewicht für Temperaturen, die in Mitteleuropa von April bis Oktober kaum vorkommen. Oder du frierst jede Nacht, weil der Schlafsack zu dünn ist.

Die Lösung: Kaufe für 3-Jahreszeiten-Trekking (April bis Oktober) einen Schlafsack mit Komforttemperatur -5 Grad Celsius.

Im Hochsommer schläfst du halt mit offenem Schlafsack oder nur zugedeckt – das ist kein Problem.

Im Frühherbst bei 0 Grad bist du noch warm genug. Wenn du wirklich Wintertouren planst, kaufst du später einen zweiten, spezialisierten Schlafsack – aber nicht als Erstausstattung.

Fehler 6: Das Billig-Zelt mit doppeltem Kaufpreis

Das Problem: Du kaufst ein 120-Euro-Aldi-Zelt oder No-Name-Zelt von Amazon, weil du "erstmal testen" willst, ob Camping überhaupt dein Ding ist. Das klingt nach cleverer Sparstrategie.

Die Konsequenz: Nach zwei Touren ist das Zelt undicht (Nähte lösen sich, Beschichtung blättert ab) oder der Aufbau nervt so sehr, dass du keine Lust mehr auf Camping hast.

Du kaufst dann doch ein ordentliches Zelt für 250 bis 300 Euro. Ergebnis: 120 Euro verschwendet plus 250 Euro = 370 Euro statt direkt 250 Euro. Du hast mehr bezahlt und zwei schlechte Erfahrungen gemacht.

Die Lösung: Kaufe entweder ein solides Budget-Zelt (150 bis 200 Euro von Decathlon/Naturehike) oder ein gebrauchtes Markenzelt (200 bis 300 Euro). Beide Optionen funktionieren und halten mehrere Jahre.

Wenn du wirklich unsicher bist, ob Camping passt: Leihe dir für die erste Tour ein Zelt von Freunden oder miete eines (viele Outdoor-Läden vermieten Equipment). Test erst, kauf dann – aber kauf nicht zweimal.

Fehler 7: Ungetestete Ausrüstung auf der ersten großen Tour

Das Problem: Du kaufst die komplette Ausrüstung neu, packst alles ein und startest direkt zur ersten Mehrtageswanderung. Zelt, Kocher, Schlafsack – alles noch in Originalverpackung bis zum Vorabend der Tour.

Die Konsequenz: Am ersten Abend stellst du fest: Der Zeltaufbau dauert 40 Minuten statt 10, weil du die Anleitung nicht gelesen hast.

Der Kocher funktioniert anders als gedacht. Der Schlafsack ist zu kurz oder zu eng.

Die Isomatte hat ein Loch (Produktionsfehler). Du verbringst die erste Nacht mit Problemlösung statt mit Erholung – und bist am nächsten Morgen frustriert.

Die Lösung: Testaufbau zuhause oder im Garten. Baue das Zelt einmal komplett auf und wieder ab – zeitgestoppt.

Koche einmal mit dem neuen Kocher. Schlafe eine Nacht im neuen Schlafsack (zuhause oder draußen). Pump die Isomatte auf und lass sie 24 Stunden liegen (Leck-Test).

Diese 2 Stunden Vorbereitung ersparen dir Stunden Frust unterwegs. Und wenn etwas defekt ist, kannst du es noch umtauschen.

Table Plugin

Das Wichtigste zum Schluss: Starte einfach, lerne unterwegs

Die Suche nach der perfekten Trekking-Ausrüstung für Anfänger kann überwältigend sein – aber sie muss es nicht.

Die wichtigste Erkenntnis aus diesem Ratgeber:

Du brauchst keine perfekte Ausrüstung für deine erste Tour. Du brauchst eine solide Grundlage, die funktioniert.

Die drei entscheidenden Punkte:

Erstens:

Konzentriere dich auf die Big 3 – Rucksack, Schlafsystem und Zelt.

Diese drei Komponenten machen 60 bis 70 Prozent deines Budgets und Gewichts aus.

Wenn du hier sorgfältig wählst (60 bis 65 Liter Rucksack, Schlafsack mit -5 Grad Komfort, solides Zelt für 150 bis 300 Euro), hast du bereits die Grundlage für erfolgreiche Touren gelegt.

Zweitens:

Investiere ohne Kompromisse in Schuhe und Socken.

Das ist die einzige Kategorie, bei der Sparen fast immer zu Problemen führt.

200 Euro für gute Wanderschuhe plus drei Testtouren zur Einlaufphase retten deine Tour – billige Schuhe ruinieren sie.

Drittens:

Akzeptiere, dass die ersten zwei bis drei Touren Lerntouren sind.

Du wirst Dinge mitnehmen, die du nicht brauchst. Du wirst Kleinigkeiten vergessen.

Du wirst feststellen, dass manche Ausrüstung anders funktioniert als gedacht. Das ist nicht peinlich oder falsch – das ist der normale Lernprozess.

Jeder erfahrene Wanderer hat diesen Weg durchlaufen.

Dein realistisches Startbudget liegt zwischen 500 und 800 Euro für vollständiges Camping-Trekking (bei Hüttentouren deutlich weniger, da Zelt und Kocher wegfallen).

Mit diesem Budget bekommst du funktionsfähige Ausrüstung, die mehrere Jahre hält.

Teurere Ausrüstung macht dich nicht automatisch zu einem besseren Wanderer – Erfahrung und bewusstes Packen tun das.

Das Basisgewicht von 10 bis 12 Kilogramm ist für Anfänger ein ausgezeichnetes Ziel.

Du erreichst es nicht ausschließlich durch teure Ultraleicht-Ausrüstung, sondern durch bewusstes Weglassen von Unnötigem.

Die größten Gewichtseinsparungen kosten nichts – sie entstehen durch die Erkenntnis, was du wirklich brauchst.

Jetzt liegt es an dir:

Nutze die Packliste aus diesem Artikel als Orientierung.

Passe sie an dein Szenario an (Zelten oder Hütten? Drei Tage oder eine Woche?).

Kaufe bewusst statt impulsiv. Teste deine Ausrüstung vor der ersten großen Tour.

Und dann: Starte einfach.

Deine Ausrüstung wird sich mit deiner Erfahrung entwickeln.

Was du heute kaufst, ist nicht deine finale Setup – es ist dein Einstieg in einen Lernprozess.

Und dieser Prozess beginnt nicht im Outdoor-Laden, sondern draußen auf dem Trail.

 

Stay Hungry!

Häufig gestellte Fragen zur Trekking-Ausrüstung für Anfänger

Was brauche ich wirklich für meine erste Trekkingtour?

Die Big 3 (Rucksack 60-65L, Schlafsack mit -5°C Komfort, Zelt 3-Jahreszeiten), dazu Wanderschuhe, Merino-Base-Layer, Fleece-Jacke, Regenjacke, Isomatte mit R-Wert 3,5+, Kocher mit Topf, Stirnlampe und Erste-Hilfe-Set. Abhängig vom Szenario: Hüttentouren brauchen kein Zelt und keine Kochausrüstung. Budget für soliden Camping-Start: 500 bis 800 Euro.

Wie viel sollte mein Trekkingrucksack wiegen?

Das Basisgewicht (alles ohne Essen, Wasser, Brennstoff) von 10 bis 12 Kilogramm ist für Anfänger realistisch und gut tragbar. Mit Verbrauchsgütern kommst du auf 15 bis 18 Kilogramm Gesamtgewicht. Faustregel: Maximal 20 bis 25 Prozent deines Körpergewichts tragen – eine 70 Kilogramm schwere Person sollte nicht mehr als 14 bis 17 Kilogramm schleppen.

Kann ich mit 500 Euro komplett ausgestattet starten?

a, mit Gebrauchtkauf und Budget-Marken wie Decathlon oder Tatonka. Beispiel: 150 Euro Rucksack, 200 Euro Schlafsack plus Isomatte, 150 Euro Zelt gebraucht, 200 Euro Schuhe, 100 Euro Bekleidung = 800 Euro. Für Hüttentouren fallen Zelt und Kocher weg, dann reichen 300 bis 500 Euro. Die ersten Touren zeigen dir, wo Upgrades sinnvoll sind.

Wo finde ich günstige gebrauchte Trekking-Ausrüstung?

Facebook-Gruppen wie "Outdoor Ausrüstung Flohmarkt" oder "Ultraleicht Trekking Tauschbörse", eBay Kleinanzeigen, Outdoor-Foren wie Outdoorseiten.net (Marktplatz-Bereich). Achte auf Fotos von Nähten, Beschichtung und Reißverschlüssen, frage nach Nutzungshäufigkeit und bevorzuge persönliche Übergabe oder PayPal-Käuferschutz. Ersparnis: 40 bis 60 Prozent gegenüber Neupreis bei wenig genutzter Ausrüstung.

Wie lange brauche ich für die Einlaufphase neuer Wanderschuhe?

Drei Testtouren mit steigender Belastung vor der ersten Mehrtageswanderung: 8 bis 10 Kilometer auf befestigten Wegen ohne oder mit leichtem Rucksack, dann 12 bis 15 Kilometer auf gemischtem Terrain mit 5 bis 8 Kilogramm Last, schließlich 15 bis 20 Kilometer unebenes Gelände mit voller Tour-Last. Wenn nach Tour 1 oder 2 Druckstellen auftreten, tausche die Schuhe um – die meisten Outdoor-Geschäfte haben großzügige Rückgaberechte für minimal getragene Schuhe.

© Titelbild: depositphotos.com 

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