
Thüringen hat über 16.000 Kilometer Wanderwege. Allein der Thüringer Wald steuert davon 7.000 Kilometer bei.
Bei der Auswahl hilft das wenig. Zu viele Portale, zu viele Varianten, keine klare Entscheidung.
Dieser Artikel ist für dich, wenn du deinen ersten Overnighter planst. Oder als Ultraleicht-Fan (UL) die nächste Mehrtagestour suchst.
Er bringt die Auswahl auf 5 geprüfte Fernwanderwege in Thüringen. Mit Länge, Etappenzahl und Schwierigkeit im direkten Vergleich.
Der Rennsteig ist Deutschlands ältester und bekanntester Höhenwanderweg. Für viele ist er der Einstieg ins Fernwandern in Thüringen.
Der Name ist bereits 1330 als „Rynnestig" urkundlich belegt. Damals verlief hier die Grenze zwischen Franken und Thüringen.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Länge | 169 km |
| Etappen | 8 (14–28 km) |
| Start | Hörschel bei Eisenach |
| Ziel | Blankenstein an der Saale |
| Markierung | weißes „R" auf grünem Grund |
| Schwierigkeit | leicht bis mittel |
Der Weg verläuft überwiegend auf dem Kamm des Thüringer Walds. Wenig Höhenmeter-Extreme, dafür konstante Weitblicke.
Die Infrastruktur ist die beste unter den 5 Wegen. Gasthäuser, Pensionen und Einkehrmöglichkeiten liegen fast an jeder Etappe.
Der Weg führt nah an Oberhof vorbei, bekannt als Wintersportort. Auch der Grenzadler und die Schneekopf-Region liegen direkt am Kamm.
Eisenach hat einen ICE-Haltepunkt, von dort sind es wenige Kilometer bis zum Startpunkt in Hörschel. Die Anreise zum Start ist damit auch ohne Auto gut machbar.
Für wen geeignet: Einsteiger in Mehrtagestouren und alle, die auf verlässliche Unterkünfte statt Zelt setzen.
Der Hochrhöner führt von Bad Kissingen in Bayern bis nach Bad Salzungen in Thüringen. Nur der letzte Abschnitt liegt auf thüringischem Gebiet.
Der Weg verläuft fast durchgehend im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön, das sich über Bayern, Hessen und Thüringen erstreckt.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Länge | ca. 175 km |
| Etappen | 8 |
| Start | Bad Kissingen (Bayern) |
| Ziel | Bad Salzungen (Thüringen) |
| Markierung | oranges „Ö" auf weißem Grund |
| Schwierigkeit | mittel bis schwer |
Offene Kuppenlandschaft statt dichter Wald. Die Sichtachsen reichen bei klarem Wetter über mehrere Kilometer.
Konditionell anspruchsvoller als der Rennsteig. Mehr Höhenmeter pro Etappe, dafür weniger durchgehende Beschilderung im offenen Gelände.
Auf bayerischer Seite führt der Weg an der Wasserkuppe vorbei, mit 950 m die höchste Erhebung der Rhön. Der Thüringer Abschnitt bei Bad Salzungen ist der ruhigste Teil der Strecke.
Bad Kissingen ist per Regionalbahn erreichbar, ebenso der thüringische Zielort Bad Salzungen. Für eine reine Thüringen-Etappe reicht die Anreise nach Bad Salzungen und ein Gegenverkehr auf dem letzten Streckenabschnitt.
Für wen geeignet: Wanderer mit Vorerfahrung, die Weitblick über Waldkulisse stellen.
Der Werra-Burgen-Steig X5 ist mit 500 km einer der längsten Wege in dieser Übersicht. Der thüringische Abschnitt allein misst rund 225 km.
Der Weg wurde bereits 1885 vom Werratalverein angelegt und 2011 bis zu den Werraquellen im Thüringer Wald verlängert.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Länge (Thüringen) | ca. 225 km |
| Länge (Gesamtweg) | 500 km, 20 Etappen |
| Start (Thüringen) | Lauchröden bzw. Hörschel |
| Ziel (Thüringen) | Werraquelle bei Masserberg |
| Markierung | X5, blaues Quadrat auf weißem Grund |
| Schwierigkeit | leicht bis mittel |
Wenig Höhenmeter, dafür viel Kulturgeschichte. Der Weg eignet sich auch für Etappen ohne alpine Ausrüstung.
Durch die Länge braucht dieser Weg die meiste Zeitplanung aller 5 Optionen. Eine Teiletappe reicht für ein verlängertes Wochenende.
Bei Hörschel führt ein rund 10 km langer Abstecher zur Wartburg in Eisenach. Weiter flussaufwärts liegen Bad Salzungen, Meiningen und die Ruine Brandenburg bei Lauchröden am Weg.
Der thüringische Zielpunkt bei Masserberg liegt in erreichbarer Nähe zu Eisenach und Suhl. Für einzelne Etappen lässt sich der Weg deshalb gut in Teilstücken planen, ohne die komplette Strecke am Stück zu laufen.
Für wen geeignet: Kulturinteressierte, die Burgen und Flusslandschaft einer reinen Höhenwanderung vorziehen.
Die SaaleHorizontale ist mit 91 km der kürzeste Weg in dieser Liste. Dafür ist er konditionell einer der fordernderen.
Der Weg trägt das Motto „Wandern mit Weitblick" und ist als Qualitätsweg „Wanderbares Deutschland" zertifiziert.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Länge | 91 km |
| Etappen | 9 |
| Gesamtgehzeit | ca. 28 Std. |
| Aufstieg / Abstieg | 2.354 hm / 2.366 hm |
| Start | Jena |
| Ziel | Raum Dornburg |
| Markierung | eigenes Wegzeichen SaaleHorizontale |
| Schwierigkeit | mittel bis schwer |
Schmale Pfade führen durch steile Muschelkalkhänge zu beiden Seiten der Saale. Über 20 Aussichtspunkte liegen entlang der Route.
Zwei der 9 Etappen sind als „schwer" eingestuft. Trittsicherheit ist an mehreren Abschnitten Voraussetzung.
Auf mehreren Etappen ist von den Höhen aus die Leuchtenburg zu sehen, während unten im Tal die Jenaer Skyline liegt. Ausreichend Wasser gehört wegen der exponierten Hänge unbedingt in den Rucksack.
Jena Paradies hat einen ICE-Haltepunkt, der Startpunkt liegt nur wenige Gehminuten entfernt. Auch einzelne Etappen lassen sich dadurch gut mit dem Zug an- und abreisen.
Für wen geeignet: Konditionsstarke Wanderer mit Vorliebe für Aussichtspunkte und technisch anspruchsvollere Pfade.
Der Panoramaweg Schwarzatal verbindet den Rennsteig mit dem Saaletal. Er folgt dabei dem Lauf der Schwarza.
Als zertifizierter Qualitätsweg verbindet er die Höhen des Rennsteigs mit dem Burgenland an der Saale.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Länge | ca. 137 km |
| Etappen | 8 (13–22 km) |
| Start | Schwarza-Quelle am Rennsteig |
| Ziel | Mündung der Schwarza in die Saale |
| Markierung | eigenes Wegzeichen Panoramaweg Schwarzatal |
| Schwierigkeit | mittel |
Der Weg verbindet Waldlandschaft im oberen Abschnitt mit Burgen im unteren Saaletal, etwa bei Schwarzburg.
Mittlerer Schwierigkeitsgrad. Die Etappenlängen lassen sich für Tagesetappen gut anpassen.
Neben Schloss Schwarzburg liegen auch Cursdorf und Goldisthal am Weg, bekannt durch das dortige Pumpspeicherwerk. Die Etappen im oberen Streckenteil verlaufen überwiegend im Wald, im unteren Teil öffnet sich das Saaletal.
Die Schwarzatalbahn begleitet einen Teil der Strecke und eignet sich gut für Teiletappen oder die Rückreise. Wer nicht die komplette Strecke laufen will, steigt einfach an einem der Bahnhöfe entlang der Schwarza zu.
Für wen geeignet: Wanderer, die Wald- und Flusslandschaft in einer Tour verbinden wollen, ohne die Extremwerte der SaaleHorizontale.
Alle 5 Wege noch einmal nebeneinander, für den schnellen Überblick vor der Entscheidung.
| Weg | Länge | Etappen | Schwierigkeit | Für wen |
|---|---|---|---|---|
| Rennsteig | 169 km | 8 | leicht bis mittel | Einsteiger in Mehrtagestouren |
| Hochrhöner | ca. 175 km | 8 | mittel bis schwer | Vorerfahrene, Weitblick-Fans |
| Werra-Burgen-Steig (Thüringen) | ca. 225 km | Gesamtweg 20 Etappen | leicht bis mittel | Kulturinteressierte |
| SaaleHorizontale | 91 km | 9 | mittel bis schwer | Konditionsstarke, aussichtsorientierte Wanderer |
| Panoramaweg Schwarzatal | ca. 137 km | 8 | mittel | Wald- und Flusslandschaft in einer Tour |
Für den ersten Overnighter in Thüringen ist der Rennsteig die sicherste Wahl. Gute Infrastruktur, moderate Etappen, kaum Planungsrisiko.
Wer Weitblick sucht, findet ihn auf dem Hochrhöner. Wer Kulturgeschichte will, nimmt den Werra-Burgen-Steig.
Konditionsstarke Wanderer mit Vorliebe für steile Pfade sind auf der SaaleHorizontale richtig. Der Panoramaweg Schwarzatal liegt dazwischen: anspruchsvoll, aber planbar.
Bei jeder Mehrtagestour zählt die Verpflegung mit. Wie viele Kalorien du pro Etappe brauchst, hängt von Höhenmetern und Tagesdistanz ab.
Der Rennsteig ist der einsteigerfreundlichste Weg. 169 km, moderate Etappen und die beste Unterkunfts-Infrastruktur aller 5 Wege.
Bei 8 Etappen zwischen 14 km und 28 km sind 8 bis 10 Tage realistisch. Mit Ruhetagen oder kürzeren Tagesetappen entsprechend mehr.
Am Rennsteig und am Werra-Burgen-Steig gibt es durchgehend Pensionen und Gasthäuser. Auf der SaaleHorizontale und dem Panoramaweg Schwarzatal ist die Unterkunftsdichte geringer, hier lohnt frühzeitige Planung.
Die SaaleHorizontale mit 2.354 Höhenmetern auf nur 91 km. Zwei der 9 Etappen sind offiziell als schwer eingestuft.
Mai bis Oktober bieten die stabilsten Bedingungen. Juni und September gelten als besonders angenehm, mit moderaten Temperaturen und weniger Andrang als im Hochsommer.
Ja, bei den meisten Wegen gut. Eisenach, Jena Paradies und Bad Kissingen haben ICE- oder Regionalbahn-Anschluss, der Panoramaweg Schwarzatal lässt sich zusätzlich über die Schwarzatalbahn in Teilstücken befahren.
Ja, alle 5 Wege sind in einzelne Etappen unterteilt, die sich auch einzeln als Tagestour laufen lassen. Besonders gut eignen sich dafür die kürzeren Etappen des Rennsteigs ab 14 km und des Panoramaweg Schwarzatal ab 13 km.
Titelbild Copyright: depositphotos.com
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